Gutes Zuhören – der entscheidende Schritt zum guten Gespräch
Wenn es um gutes Zuhören geht, denken die meisten Menschen, es handle sich vor allem darum, sich auf ihren Gesprächspartner einzustellen. Das ist auch nicht falsch. Übersehen wird dabei aber oft, dass gutes Zuhören bei einem selbst anfängt. Indem man dafür sorgt, selber aufnahmefähig und offen zu sein.
1. Äussere Rahmenbedingungen herstellen:
Planen Sie ein ausreichendes Zeitbudget ein, wenn Sie beispielsweise spüren, dass Ihnen Ihre Tochter etwas Persönliches mitteilen möchte, oder wenn einer Ihrer Mitarbeiter Sie um ein persönliches Gespräch bittet. Führen Sie das Gespräch an einem Ort, der Ihnen zusagt, an dem Sie sich wohl fühlen. Das hilft Ihnen, sich besser auf Ihren Gesprächspartner einzustellen. Führen Sie kein Gespräch zwischen Tür und Angel und teilen Sie sofort offen mit, wenn Sie gerade keine Zeit haben. Bieten Sie einen späteren Termin an.
2. Gutes Zuhören fängt bei einem selbst an:
Innerlich aufgewühlt oder in Hektik kann man nicht gut zuhören. Der erste und vielleicht sogar wichtigste Punkt beim guten Zuhören besteht darin, sich selbst auszubalancieren. Innerlich ruhig, entspannt und offen zu sein.
3. Stimmen Sie sich innerlich ein:
Holen Sie sich, wenn nötig, ein Glas Wasser, entspannen Sie sich, atmen Sie ein paar Mal tief durch oder werfen Sie einen Blick aus dem Fenster. Stimmen Sie sich dabei auf das bevorstehende Gespräch und Ihr Gegenüber ein.
4. Vergegenwärtigen Sie sich Ihr Ziel:
Ihr Ziel ist jetzt gut zuzuhören. Das bedeutet, dass Sie den anderen in Ruhe sprechen lassen, dass Sie ihn ausreden lassen, dass es vermutlich kleine Gesprächspausen geben wird. Und auch, dass Sie sich jetzt etwas zurücknehmen. Wenn Sie zum Beispiel Ähnliches schon erlebt haben, wie es Ihnen Ihr gegenüber gerade berichtet, so müssen Sie nicht sofort sagen, «Das kenn' ich auch – ich hab das so und so gelöst». Lassen Sie dem anderen den Vortritt. Sagen Sie sich: «Ich höre jetzt in Ruhe zu, was mir mein Gegenüber mitteilt.»
5. Nehmen Sie sich ein Vorbild:
Kennen Sie einen Menschen, der gut zuhören kann? Könnte er für Sie ein Vorbild sein? Vielleicht ist es hilfreich, wenn Sie ihn sich als Vorbild nehmen.
6. Schauen Sie Ihren Gesprächspartner an:
Wenden Sie sich ihm zu und schenken Sie ihm Ihre ganze Aufmerksamkeit. Versuchen Sie ihm zu signalisieren, «Ich hab Zeit, ich bin jetzt für dich da» oder «Ich bin jetzt bei dir».
7. Bestätigen Sie, was der Partner ausdrückt:
Bemerkungen wie «Aha, mhm, ja, habe ich verstanden, o.k.», aufmunternde Gesten, Kopfnicken usw. bestärken den anderen darin, weiterzusprechen.
8 Fragen Sie nach:
Fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar ist. Vergewissern Sie sich, ob Sie das Gesagte richtig verstanden haben, beispielsweise, «Können Sie mehr darüber erzählen?» oder «Was verstehen Sie unter 'wesentlich'?»
9. Wiederholen Sie, was Sie verstanden haben:
Sie können die inhaltliche Aussage wiederholen, aber auch das, was Ihr Gesprächspartner Ihrer Meinung nach gemeint haben könnte. Sinngemäßes Wiederholen, Zurückspiegeln der Meinung des anderen, Zusammenfassen des Gesagten, sorgen für mehr Klarheit. Fragen Sie Ihren Partner: «Habe ich das so richtig verstanden?» Achten Sie auf Schlüsselwörter, die Ihr Partner verwendet und nehmen Sie diese im Gespräch auf.
Wann ist gutes Zuhören sinnvoll?
Ein grosser Teil unserer Gespräche besteht aus eher wenig bedeutsamen Alltagsgesprächen, die sich ums Wetter oder um Fussball drehen. Dabei muss man diese Aspekte nicht unbedingt berücksichtigen. Aber dann,
wenn unser Gegenüber wirklich einen guten Zuhörer braucht. Und das weiss man im Voraus nicht immer.
In Partnerschaften kann man sich zum Beispiel auf ein Ritual verständigen, das besagt, «Ich möchte dir nachher etwas Wichtiges berichten und dich darum bitten, mir aufmerksam zuzuhören». Damit wird ein Gespräch von vornherein strukturiert und verläuft positiver.
Und was hat gut zuhören mit Gesundheit zu tun?
Gut zuhören hat einen doppelten Gesundheitseffekt: Für den, der sich verstanden fühlt, weil ihm eine Vertrauensperson gut zuhört. Er fühlt sich erleichtert, als Mensch anerkannt und spürt Unterstützung und Rückhalt. Das Gespräch gibt ihm möglicherweise Anregungen oder Lösungsideen hinsichtlich des Anliegens, das ihn beschäftigt.
Und für den, der zuhört? Auch der Zuhörer profitiert. Es erfüllt ihn mit Zufriedenheit und Glück, wenn er spürt, dass ihm sein Gegenüber Vertrauen entgegenbringt. Er spürt, dass sich der andere verstanden und erleichtert fühlt und dass er weiterhelfen konnte. Das wertet ihn als Person auf. Er fühlt sich mit seinem Gesprächspartner verbunden und spürt, dass er gebraucht wird, was seinem Leben Sinn vermittelt.
Alle diese Aspekte wirken sich positiv auf Psyche und Gesundheit aus, indem sie gesundheitsfördernde Emotionen und Hormone auslösen und stressbedingte Belastungen zurückdrängen.